Intelligent Design

Die Theorie der Evolution ist eine Theorie. ‚Theorie’ ist ein wissenschaftlicher Begriff und beschreibt letztlich, dass sich die Wissenschaft ausdrücklich niemals anmaßt zu behaupten, sie wüsste etwas ganz genau, sondern ihre Überlegungen immer mit Vorbehalt anbietet, dem Vorbehalt nämlich, der dem innersten Selbstverständnis der Wissenschaft entspricht: es könnte, ja, es sollte, es möge immer eine Verbesserung der vorliegenden Stufe der Theorie geben, bis sie dem tatsächlichen Wesen der Dinge möglichst nahe kommt – was möglicherweise niemals ganz erreicht werden kann und trotzdem versucht werden soll.


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Dies ist der Erfolgsgarant der Wissenschaften. Wissenschaft ist immer work in progress, der Weg ist ihr Ziel, stete Weiterverbesserung permanente Methode. Wissenschaft ist immer skeptisch, immer im Zweifel an sich selbst, immer konstruktiv. Wissenschaft hat nichts zu verbergen und muß ihre Gegner nicht bekämpfen. Wenn diese Gegner recht haben, was nur die Wissenschaft selbst zeigen kann, werden sie integriert, haben sie unrecht, schlicht ignoriert.

Intelligent Design versucht die Akzeptanz altertümlicher orthodoxer religiöser Mythen zu verbessern, indem sie als wissenschaftliche Theorie verkauft werden – frei nach: was Ihr könnt, können wir schon lange. Man versucht die Sprache der Wissenschaft zu adaptieren, nennt den Schöpfungsmythos um die Sieben Tage und Adam und Eva eine ‚Schöpfungstheorie’ und verbirgt das Konzept ‚Gott’ hinter einem sogenannten Intelligenten Designer. Nun verknüpft man das ganze mit der durch nichts als kranken Menschenverstand begründeten Behauptung, die Komplexität des Lebens auf der Welt hätte nur ein intelligenter Schöpfer (ein in ihrer Objektivität vorgaukelnden neumodischen Sprache: ein Designer) vollbringen können, die Lebewesen und Ökosysteme griffen so elegant ineinander, daß es einen großen Masterplan und natürlich einen Masterplaner geben müßte, ein solches Wunderwerk zu vollbringen. Klingt einleuchtend. Leider ist das auch alles, das die gesamte Behauptung stützt. Es klingt für simple Gemüter einleuchtend, mehr nicht. Man kann es glauben, so wie man eben glauben kann, was in der Bibel steht. Mit Wissenschaft hat das aber in keiner Weise etwas zu tun.

Im Grunde versucht man also nichts anderes, als über das Schein-Argument von der Großartigkeit der Lebenswelt den Schöpfer durch die Hintertüre wieder ins Spiel zu bringen. Doch so leicht ist das nicht! Die Wissenschaft hat den Schöpfer nicht ganz ohne Grund aus ihren Argumenten verscheucht. Wissenschaft und Gott sind keine Gegensätze in dem Sinne, als die Wissenschaft ein Interesse daran hätte, Gott zu widerlegen – oder auch zu begründen. Wissenschaft ist nüchterner. Wenn es Gott gibt und die Wissenschaft ihn findet, beschreibt sie ihn, wenn sie ihn nicht findet, nicht. Im Gegensatz zu religiösen Eiferern ist Wissenschaft emotionslos, distanziert, intersubjektiv, affektfrei. Der Wunsch nach einem Schöpfer findet in der Wissenschaft keinen Widerhall, nur seine das Faktum Existenz, so es denn festgestellt würde. Dagegen müht sich die Religion in allen Lebenslagen, oft gegen jede Vernunft, ihren Gott zu begründen, sie muß es tun, weil sie ihre Existenz, ihr komplettes Selbstverständnis auf seine Existenz gründet. Die Religion ist ein System, das auf einer fixen, festgemauerten Basis existiert und daher stets Gefahr läuft, verliert sie diese Basis, zu zerbrechen. Die Wissenschaft hat eine solche fixe Basis nicht. Die einzige Basis der Wissenschaft ist die Annahme von Vernunft und Objektivität, Entitäten, deren Existenz weder bewiesen noch widerlegt, aber zum vernünftigen Handeln und argumentieren vorausgesetzt werden müssen. Doch diese Entitäten sind nicht festgelegt, von außen aufgesetzt, sondern ihrerseits Gegenstand der Wissenschaft. Sie sind keine Voraussetzungen, die als für immer unwiderlegbar hingenommen werden müssen. Im Gegenteil: findet sich eine bessere Logik, als die vorhandene wird die alte ersetzt, findet sich, daß Objektivität anders interpretiert werden muß, als bislang, wird dies geschehen. Die Wissenschaft agiert schwebend, man möchte beinahe sagen, in einem positiven Sinn opportunistisch, stets lernend. Es gibt keine feste Lehre, nur die Eine, alles stets weiterzuverbessern. Wissenschaft nimmt sich dem an, wasimmer sie vorfindet, vorurteilslos, ohne Präferenz, ohne Vorgabe in welche Richtung ihre Erkenntnis gehen muß. Religion ramponiert sich selbst immer wieder an ihren eigenen Vorgaben. Die Wunschwelt ihrer Gläubigen und religiösen Funktionäre kollidiert in schöner Regelmäßigkeit mit der harten Realität. Und dann gibt es einen erbitterten Kampf um die sogenannte Wahrheit, der doch tatsächlich nur entbrennt, weil das Offensichtliche und der Glaubensinhalt nicht zusammenpassen, der Glaubensinhalt aber per Definition obsiegen muß, obwohl er es beim besten Willen nicht vermag. Dann wird jede nur erdenkliche Form von Verzerrung und Rhetorik eingesetzt, nur um am Ende einen Scheinsieg zu erringen und Recht behalten zu haben, wo das Unrecht allzu offensichtlich ist – die Geschichte der Wissenschaft ist voll von solchen religiösen Interventionen. Religion ist eine Lehre, deren Inhalt orthodox, also immer der Lehre sklavisch folgend, verstanden wird. Die Lehre ist unantastbar, immer-wahr. Wissenschaft ist das Gegenteil von Orthodoxie – Religion ihr Innbegriff. Und daher geht es für die Wissenschaft gar nicht um die Frage nach Gott. Gott ist für die Wissenschaft irrelevant, solange er in ihrer Beobachtungswelt nicht vorkommt. Die Religion versucht die Wissenschaft permanent in einen Disput um Gott zu verwickeln, der die Wissenschaft gar nicht anficht.

Gott wurde von der Wissenschaft aus ihrer Argumentation nur aus einem einzigen Grund verbannt: Weil …


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