Austritt aus der Evolution

Geht man von der Annahme aus, dass die Natur Lösungen kreiert für Fragestellungen, die Umwelt oder das Ökosystem an die jeweiligen Lebensformen herangetragen, so stellt sich ganz natürlich die Frage, weshalb etliche im Prinzip sehr simple technische Lösungen in der Natur nicht vorkommen, wie zum Beispiel das Rad.


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Die Antwort ist hier erstaunlich einfach: das Prinzip des Rollens nutzen in der Natur nicht sehr viele jedoch in der Tat einige Lebensformen, wie zum Beispiel die Seegurke, die langsam über den Meeresboden rollt. Das Problem des Rades in der Natur ist nämlich weniger ein Problem der rollenden Vorwärtsbewegung, sondern ein Problem der Lagerung. Das Rad besitzt eine Welle auf der es gelagert ist und läuft. Ohne diese Anbringung ist es kein Rad.

Die Grundidee der allermeisten Lebewesen besteht darin, dass ihr gesamte Körper sich ohne größere Zuhilfenahme von zusätzlichen Gegenständen selbstständig komplett aus einer Eizelle entwickelt. Neben Nahrung und Wasser, die essenziellen Energiequellen, streben die Lebensformen danach möglichst wenig Voraussetzungen an ihre Umwelt zustellen, um sich selbst möglichst autark entwickeln zu können.

Das bedeutet, auf die Frage des Rades angewandt, ein Lebewesen müsste während seiner Entwicklung zum Erwachsenenstadium Räder ausbilden, sie wären also ein Teil seines Körpers, ähnlich wie Beine, Flügel oder Flossen. Nun wachsen und verändern sich Lebewesen in der Regel während eines wesentlichen Zeitraums ihre Existenz, d.h. alle Teile ihres Körpers müssen sich stetig und dynamisch an diverse Größen- oder Formänderungen anpassen können, was zum Beispiel bei Insekten zu enorm aufwändigen und auch gefährlichen Häutungsprozessen führt. Um derartige körperliche Umwälzungen zu vermeiden verwenden die meisten Lebewesen im Gegensatz zu den Gliedertieren, die ein unflexibeles Außenskelett tragen, ein inneres Skelett und darum herum angelegtes, flexibel formbares Gewebe. Im Hinblick auf Wachstum ist dieses Prinzip wesentlich unkomplizierter. Außerdem umfaßt der Körper Selbstheilungsfunktionen um kleinere Schäden reparieren zu können. Doch dafür müssen alle Bauteile des Körpers dem Kreislauf und damit der Energieversorgung zugänglich sein.

Wie sind nun vor diesem Hintergrund Räder zu realisieren? Der Knackpunkt ist die bereits erwähnte Lagerung: am Lager ist es aufgrund der sich drehenden Funktionsweise des Rades nicht möglich, eine feste Verbindung zu realisieren, über die zum Beispiel Blutgefäße das Rad mit Blut und damit mit Nährstoffen versorgen könnten. Die Lagerung bestimmt also, dass das Rad nicht über die bei allen komplexer aufgebauten Lebewesen verwendete Technik der Blutversorgung mit Nährstoffen am Leben erhalten werden kann. Damit wäre es notwendig es entweder autark, d.h. von der Energieversorgung des restlichen Lebewesen abgeschnitten am Leben zu erhalten, oder als totes Material zu realisieren. Totes Gewebe ist jedoch aus chemisch sehr widerstandsfähigen Material um den Zerfall zu widerstehen, darüber hinaus aus sehr hartem Material, um nicht so leicht mechanischen Schaden zu nehmen, es entzieht sich den, dem Leben eigenen Selbstreparaturmechanismen. Doch damit ist es sehr unflexibel und kann auf gar keinen Fall mit dem Lebewesen mitwachsen, was dieses Bauprinzip letztlich für das Leben ansich unbrauchbar macht.

Ähnlich verhält es sich mit vielen anderen technischen Lösungen, die ja, das Rad ist quasi der Prototyp und Archetypus, sehr häufig auf rollenden, gelagerten Mechanismen beruhen und damit allesamt die Natur nur schwer realisierbar sind.


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