Tony Robbins Money, Master the Game

Tony Robbins Money, Master the Game

Wäre es kein lesenswertes Buch, würde ich es hier nicht besprechen. Allerdings sind viele Inhalte des Buches auf den amerikanischen Markt fokussiert. Das betrifft sowohl die Besprechung der Möglichkeiten Steuern zu sparen, als auch die verschiedenen zur Verfügung stehenden Geldanlageformen. Ebenso trifft dies auf die Möglichkeiten der Altersvorsorge zu, die in den USA ja nicht staatlich, sondern privat organisiert ist. All das kann man nur halbwegs auf Europäische und Deutsche Verhältnisse übertragen, weshalb das Buch wohl auch lange nicht in einer deutschen Übersetzung vorliegen wird. Einige Punkte jedoch sind sehr wissenswert und diese werde ich hier kurz zusammenfassen:

Was habe ich in dem Buch gelernt? Die meineserachtens entscheidenden Inhalte und Einsichten sind diese:

A) Wie sehen Finanzprofis ihre Geldanlage? Der Unterschied vom Profi zum Amateuer in der Geldanlage besteht darin, dass Amateure auf die Rendite, also die Vermehrung des Geldes achten, Profis aber auf die Sicherheit der Geldanlage, also das Risiko nicht nur minimieren, sondern auf Null reduzieren wollen und die Rendite nur in zweiter Linie sehen. Wer wie ein Profi arbeiten will und nur das führt im Umfeld von Profis an den Finanzmärkten nicht zum Verlust, muss ebenso denken.

B) Alle Menschen träumen davon nicht für ihren Lebensunterhalt arbeiten zu müssen. Aber viele Menschen überschätzen die finanziellen Mittel, die dafür notwendig sind. Getreu dem Motto von Tony Robbins, die Dinge genau zu betrachten und die entscheidenden Fakten genauestens zu benennen, gibt er Hinweise, wie man sich auf Heller und Pfennig ausrechnen kann, wieviel Geld man anlegen muss, um von seinen Zinsen zu leben. Die Rechnung ist einfach:

  1. Finanzielle Sicherheit: der Zustand, wenn die grundlegenden Kosten für das Überleben, Essen, Wohnen, Mobilität von der Rendite des angelegten Geldes gedeckt werden.
  2. Finanzielle Vitalität: der Zustand in dem die Rendite des Ersparten, zusätzlich zur Sicherheit noch Kosten für Kultur und Gesellschaftliche Dinge deckt, also etwas Theater- und Kinobesuche, regelmäßig Essen gehen, Urlaub etc.
  3. Finanzielle Unabhängigkeit: der gesamte aktuelle Lebensstil wird durch die Rendite getragen.
  4. Finanzielle Freiheit: Innerhalb gewisser Grenzen ist alles durch die Rendite gedeckt, was man sich wünscht. Vom Porsche über das Luxushaus bis zur Segeljacht und zum beliebigen Luxus-Urlaub weltweit.
  5. Absolute Finanzielle Freiheit: Es gibt keine finanziellen Beschränkungen mehr. Die ausgeschüttete Rendite deckt sogar die Ausgaben fantasievoller Gemüter. Wünsche oder Notwendigkeiten wie Privatjets, Private Inseln sind keine Unmöglichkeit mehr.
    Tony’s Methode ist nun, diese 5 Stufen mit Zahlen zu konkretisieren, denn nur konkrete Ziele lassen sich auch erreichen. Daher ist es nun erforderlich die monatlichen Ausgaben für diese Bereiche zu summieren. Also für den Bereich 1. alle Kosten für Essen, Wohnen, Mobilität etc. Diese Zahl mit 12 multipliziert ergibt die Kosten im Jahr für diese Stufe.

Nun der Clou: Will man diese mit der Rendite einer Anlage decken, muss diese also Pro Jahr diese Summe an Rendite nach Steuern abwerfen.

Ebenso wird mit den nächsten Stufen verfahren, wobei natürlich die jeweils vorhergehende Stufe auf das Ergebnis addiert werden muss. So kann man ermitteln, wie viel Rendite man pro Jahr benötigt, um ‘von seinem Ersparten’ leben zu können.

Benötigt man also z.B. 32.000 EUR pro Jahr für Finanzielle Sicherheit und hat man eine Anlageform die netto 5% abwirft, so muss in dieser Anlage 640.000 EUR angelegt sein, damit die Stufe der Finanziellen Sicherheit erreicht ist.

Nicht selten bemerken Menschen, dass die nächsten Stufen nicht so viel Kapital benötigen, wie man intuitiv vermuten würde.

Dieser Ansatz wäre aber unvollständig, wenn nicht auch erklärt würde, wie man eine bestimmte Rendite erzielt. Und dies nicht über Monate oder Jahre sondern über Jahrzehnte, denn davon hängt die Deckung des eigenen Lebensstandards ab: dass dieses Geld nicht nur kontinuierlich, sondern verlässlich fließt. Jahr für Jahr.

C) Das All-Wetter-Portfolio
Der zentrale Teil des Buches beschäftigt sich dann mit der Frage, wie man sein Geld anlegen kann. Und zwar mit dem Fokus auf maximale Sicherheit, nicht auf maximale Rendite.

Und hier hat Tony Robbins dann seinen Trumpf in Petto: der Chef des größten Hedge-Funds der USA (vielleicht auch der Welt) gibt ihm sein kleines Geheimnis preis: wie legt man Geld sicher an? In seinem sogenannten All-Wetter-Portfolio, All-Wetter deshalb, weil es in allen Wirtschaftssituationen stabil im Mittel 10% pro Jahr abwirft und das durchgerechnet seit 1925. Im Grunde ist der Aufbau auch ganz schlicht: viele Staatsanleihen für die langfristige Sicherheit bei ein wenig Rendite, etwa ein Drittel Aktien, für die Rendite und Beimengungen von Edelmetallen. Das wars schon. Mit dieser Zusammensetzung (einige Details, wie mittel- und langfristige Staatsanleihen) schafft man nicht nur 10% pro Jahr seit 90 Jahren, sondern auch lediglich ein schlechtestes Jahr mit schlechtestenfalls -3% einmal in 10 Jahren.

Das ist natürlich die Anlageform, die uns Bodo Schäfer mit seinen Zinseszins-Rechnungen zur finanziellen Freiheit immer schuldig bleibt. Diese Rechnungen stimmen schon und im positiven Sinn ist der Zinseszins-Effekt der Hebel Geld zu vervielfachen, keine Frage. Nur bleibt Bodo Schäfer immer die Antwort schuldig, welche Anlageform diese konstanten mind. 10% pro Jahr bieten. Er verweist lediglich darauf, dass an den Aktienmärkten 10% natürlich nicht der Rede wert seien – leider ist das nur die halbe Wahrheit, weil er dabei die Risiken der Aktienmärkte, u.A. Totalverluste ignoriert.

Ob Tony Robbins indes mit seinem All-Wetter-Portfolio hier substantiell besser liegt, ist offen. Denn auch wenn in den vergangenen 90 Jahren diese Strategie erfolgreich gewesen wäre, heißt das nicht, dass sie es auch in den kommenden 90 Jahren sein wird. Wie er selbst gerne als Merksatz zitiert: Die Vergangenheit ist nicht die Zukunft.

Doch immerhin: die Anleitung, diese Zahlen zu berechnen und sich über diese Dinge Gedanken zu machen, ist nicht nur ein guter Hinweis in den USA, sondern auch hierzulande. Andere Ratgeber bieten hier ergänzendes zum Gesamtbild.