230 Descartes Erkenntnis

Descartes: Ist, weil er denkt

Der Bretone Rene Descartes sagt 1641 in seinen ‘Meditationes de prima Philosophia’: »Ich denke, also bin ich. Und ich weiß, dass Gott ist.«

Ist der noch zu retten?


…lesen Sie dies und mehr in: Gedankenspiele 11


…und als Hörbuch: Gedankenspiele 11


…und in: Gedankenspiele Thema 13: Spiritualität


Was? »Ich denke, also bin ich.« Cogito ergo sum. Die größte Erkenntnis der Erkenntnistheorie schlechthin. Das Alpha und Omega jeder philosophischen Erkenntnis. In seiner Radikalität, so elementar, unerreicht, weder zu unterbieten noch zu überbieten.

Das einzige, was ich zweifelsfrei erkennen kann: ich bin, weil ich denke. Essentiell. Grandios. Jede andere Beobachtung kann ein Traum sein, eine Illusion, irgendwas. Das einzige was als feste Erkenntnis bleibt: ich bin, weil ich denke. Irgend etwas muss da sein, das denkt. Ich. Deswegen bin ich. Zweifelsfrei. Die einzige zweifelsfreie Erkenntnis, die möglich ist.

Der Urknall aller Erkenntnistheorie… aber dann… dann reißt er mit dem… also dann zerstört er sein epochales Werk im nächsten Halbsatz »und ich weiß, dass Gott ist.« Er erkennt, dass alle Erkenntnis letztendlich Illusion sein kann außer dieser einen Erkenntnis dass man ist weil man denkt.

Und dann setzt er dahinter eine Erkenntnis, die dem gerade eben erreichten Hohn spottet, die eine externe ist, die noch nicht einmal einer Beobachtung entspricht, sondern ein geistiges Konzept, eine religiöse Idee wiedergibt — und damit seine grandiose Idee der grundlegendsten aller Erkenntnisse, die Wurzel alle Erkenntnis, der einzigen Erkenntnis, beinahe, um ein Haar wieder entwertet.

Was bitte soll das? Freilich, mag Descartes sich nur allzu bewusst gewesen sein, wo man als radikaler Denker landen mochte. Heiße Füße inbegriffen. Die Kirche war nicht zimperlich darin, Abweichler radikal zu bekehren und deren Seele zu retten, indem man den Körper dem Feuer überantwortete. Man verstand sich seinerzeit als überaus Fundamentalistisch und Alternativlos.

Also mag dieser Zusatz eine Konzession an die Kirche sein. Aber war Descartes wirklich so ängstlich seine bahnbrechende Erkenntnis allein aus Angst vor Verfolgung durch die Kirche gleich im nächsten Atemzug wieder zu zerstören? War ihm das Ausmaß dessen, was er da tat bewusst?

Nun, das ganze bleibt ein Rätsel, sofern man davon ausgeht, dass das Ich und Gott zwei verschiedene voneinander getrennte Entitäten sind…

tut man das indes nicht…

War Descartes ein Spiritualist? Wusste er, dass Gott ist, weil er wusste, dass er (Teil) Gott(es) war?

Das jedenfalls würde diese Aussage auf ein ganz anderes Level bringen. Dann würde er uns zurufen: ich denke also bin ich. Und weil ich Gott bin, weiß ich dass Gott existiert, nämlich weil ich existiere.

Was zunächst ein Widerspruch ist, regelrecht eine Selbstentwertung würde dann visionär. Dürfen wir Descartes das zumuten? Oder sitzen wir da, wie etwa bei den Vier Elementen des Aristoteles Wunschdenken auf?


…lesen Sie dies und mehr in: Gedankenspiele 11


siehe auch:

Stolpersteine im Gesetz der Anziehung

Spiritualität ist Körperlich

Buddha, Haenel, Bohr und Steve Jobs

Wunder