214 Stolpersteine im Gesetz der Anziehung

Stolpersteine im Gesetz der Anziehung

Ist dieses Universum eines, das vom Gesetz der Anziehung regiert wird?

Auf den ersten Blick klingt das Gesetz der Anziehung toll und so einfach:

»Fühle Dich gut, komme in Einklang mit dem Universum, und all Deine Wünsche erfüllen sich wie von selbst.«

Doch das ganze hat einen (oder sogar mehr als einen) Haken:


…mehr dazu in: Gedankenspiele 10


Gerechtigkeit

Dieses Konzept führt stark in sich selbst verstärkende Zirkel: Wer viel hat, ist glücklich und bekommt noch mehr… aber wer wenig hat, ist unglücklich und bekommt deshalb noch weniger…

Unser Gerechtigkeitsempfinden geht da genau in die gegenteilige Richtung: das Gerechtigkeitsempfinden drängt auf Ausgleich, darauf, dass die, die weniger haben, etwas bekommen sollen, damit es ihnen besser geht.

Da das Gerechtigkeitsempfinden ein sehr altes und bereits in den ersten Lebensmonaten ausgeprägter Instinkt ist, ist es mächtig und zugleich infantil. Es basiert auf der Idee, dass ein Säugling generell erhalten muss um zu leben und er bereits sehr früh ein Empfinden dafür entwickelt, ob er, verglichen mit anderen auch genug bekommt – ob er ‘gerecht’ behandelt wird. Dies ist für den Säugling überlebensnotwendig und entsprechend intensiv kann sein Verhältnis zur Gerechtigkeit Zeit seines Lebens bleiben.

In einem zweiten Schritt drängt dieses Gerechtigkeitsempfinden oft sogar danach, dass die, die mehr haben, denen, die weniger haben etwas abgeben – gönnen – sollten, damit es gerecht zugeht auf der Welt.

Diese Sicht hat freilich etwas kindliches an sich, aber in einer sozialen Gruppe etwas sehr wichtiges: in einer Gruppe ist es nicht das Ziel, dass es Einzelnen gut und allen anderen schlecht geht, sondern dass es der ganzen Gruppe gut geht, denn nur so kann die Gruppe als Gruppe agieren und so mehr leisten als die Summe ihrer Teile. Wenn es nur Einzelnen besonders gut geht, spaltet das die Gruppe und zerstört den Zusammenhalt und das Miteinander, das die Gruppe stark und überlebensfähig macht.

Doch das scheint ein Universum, das auf dem Gesetz der Anziehung basiert, nicht im Sinn zu haben. Wahrscheinlich ist das der tiefere Grund, weshalb diese Form von ‘ausgleichender Gerechtigkeit’ sozialen, in Gruppen lebenden Lebewesen so wichtig ist: weil das Universum das nicht unterstützt, das Universum ist von sich aus nicht gerecht, es funktioniert nach völlig anderen Prinzipien. Also müssen die Lebewesen selbst dafür sorgen. (In ganz analoger Weise, wie das Leben selbst eine Art bewaffneter Widerstand ist gegen den im Universum allgegenwärtigen Zerfall durch den 2. Hauptsatz der Thermodynamik, der im Kern besagt, dass statistisch gesehen eine große Anzahl von Partikeln, Teilchen, Konstituenten immer wahrscheinlicher einen ungeordneten Zustand einnehme (= Zerfall), als einen geordneten, weil dieser einfach seltener ist. siehe auch Was ist Leben?

Materialismus

Das moderne materialistische Weltbild ist gekennzeichnet von der beinahe zwanghaften Neutralität der Prinzips von Occam. Das Credo hier ist: nichts hängt mit nichts anderem zusammen, es sei denn dieser Zusammenhang lässt sich zweifelsfrei beweisen. Aber da sich aus einem anderen Prinzip, dem ‘Falsifikationsprinzip’ heraus prinzipbedingt nichts positiv als wahr beweisen lässt, sondern stets nur als falsch, haben wir hier regelrecht eine Zwickmühle vor uns: Occam akzeptiert nur eindeutig bewiesene Zusammenhänge, eindeutig beweisen lässt sich aber nichts. Letztlich lässt das die Wissenschaft zurück in der Grauzone der statistisch nachweisbaren Dinge, was letztlich niemals die Frage eines unzweifelhaften Zusammenhangs zufriedenstellend zu klären vermag. Die Grundfesten der Wissenschaft sind also ebenso wie die der Logik (siehe Logik) und der Mathematik (siehe ‘Gottlob Freges Versagen’) damit zwangsläufig auf Sand, mehr noch, auf einer Absurdität gebaut. Dafür funktioniert sie zugegebenermaßen erstaunlich gut – oder wir wissen nur nicht, wie groß diese Welt tatsächlich ist und was wir alles nicht erfassen und begreifen können.

Dieses materialistische Weltbild jedenfalls offeriert uns…

siehe auch:

Vom kleinen Ego und dem Großen Ich

Bewusstsein

Weltgeist und Gott

Buddha, Haenel, Bohr und Steve Jobs

Geist und Materie